Im Gespräch

Rechten Ideologien im Betrieb klar widersprechen

Foto: privat

 

 

Stefan Weigand ist Vertrauenskörperleiter
und Betriebsrat bei Hitachi ABB Power Grids
in Hanau

»Wir dürfen Rassismus nicht unwidersprochen stehen lassen.«

Vor einem halben Jahr fand der rassistische Anschlag in Hanau statt. Wie ist die Situation bei Euch am Standort Hanau heute? Was hat sich verändert?
Stefan Weigand: Viele Kollegen, auch solche, von denen ich es nicht unbedingt erwartet hätte, sind jetzt aufmerksamer. Wenn ein Gespräch in eine falsche Richtung läuft, wenn diskriminierende Bemerkungen fallen, fragen sie sehr genau nach und widersprechen klar.

Ihr habt gleich nach dem Anschlag eine Resolution des Vertrauenskörpers verfasst. Wie kam es dazu?
Weigand: Der Anschlag hatte ein enormes Echo ausgelöst – in der ganzen Stadt und auch im Betrieb. Da muss man sich als Gewerkschafter klar positionieren. Ich bin am Morgen erst durch den Betrieb gegangen und habe mit den Kolleginnen und Kollegen geredet. Dann haben wir unsere Resolution »Keinen Millimeter nach rechts« formuliert und im Vertrauenskörper abgestimmt. Bei dezentralen Abteilungsveranstaltungen hat der jeweils zuständige Betriebsrat die Resolution verteilt und das Gespräch mit den Kolleginnen und Kollegen gesucht.

Wie war die Reaktion in der Belegschaft?
Wir haben viel Rückhalt bekommen – öffentlich und per E-Mail. Kein Einziger hat sich dagegen positioniert.

Aus Deiner Erfahrung: Was kannst Du Vertrauensleuten und Betriebsräten in anderen Betrieben mitgeben?
Wir als Gewerkschafter müssen uns klar gegen rechtsradikale Entwicklungen positionieren. Wir dürfen uns nicht einreden lassen, dass das nicht zu unseren Aufgaben gehört. Ich hätte die Resolution auch veröffentlicht, wenn der Anschlag in Hamburg oder sonst irgendwo passiert wäre. Als Gewerkschafter dürfen wir so etwas nicht unwidersprochen stehen lassen.

Wie reagieren Vertrauensleute und Betriebsräte Deiner Erfahrung nach richtig auf rechte Umtriebe im Betrieb?
Bei Leuten, die wir noch erreichen können, sollten wir das persönliche Gespräch suchen. Wenn jemand aber durchideologisiert ist, lohnt sich keine Diskussion. Hier ist es wichtig, seine oder ihre öffentlichen Äußerungen auch öffentlich geradezurücken und sich dagegen zu positionieren. Ignorieren kommt als Zustimmung an.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.