Im Gespräch

Coronafolgen gefährden die Ausbildung im Betrieb

Foto: IG Metall

 

 

Stefanie Holtz,
Bundesjugend­­sekretärin der IG Metall,
über die Lage der Auszubildenden
und die Probleme durch die
Covid-19-Pandemie.

»Da braut sich was zusammen, wenn wir nicht gegensteuern.«

Wie kommen Auszubildende und die Betriebe mit der Ausnahmesituation klar?
Stefanie Holtz: Unsere bundesweite Umfrage zu Ausbildung und dualem Studium zeigt viele Probleme auf. Zwar sind fast keine Auszubildenden und dual Studierende in Kurzarbeit. So gut wie kein Betrieb kürzt die Ausbildungsvergütung. Aber Übernahmen und die Zahl der Ausbildungsplätze sind in Gefahr.

Findet Ausbildung denn überhaupt noch statt?
Holtz: Meistens schon, aber die Qualität lässt zu wünschen übrig. In vielen Fällen wird mit E-Learning ein gewisser Ersatz praktiziert. Vielfach wurde die Präsenz reduziert. Bei einem Drittel findet die Ausbildung unverändert statt. Was uns aber Sorgen macht: Jeder zwölfte Auszubildende ist derzeit ohne Aufgaben freigestellt.

Was bedeutet das?
Holtz: Wenn in diesen Betrieben länger so verfahren wird, kann das den Abschluss gefährden, weil Auszubildende bei zu langen Fehlzeiten nicht zur Prüfung zugelassen werden.

Gibt die Umfrage Hinweise auf weitere Probleme?
Holtz: In jedem fünften Betrieb gibt es Komplikationen wegen der Verschiebung von Abschlussprüfungen. Der Ausbildungsvertrag endet, bevor die Auszubildenden ihre Prüfung ablegen können. Hier müssen JAV und Betriebsrat darauf achten, dass die Ausbildungsverhältnisse bis zum Abschluss der Prüfungen verlängert werden.

Was ist mit der Übernahme im Betrieb?
Holtz: Sechs Prozent der Betriebe geben an, dass es zu Problemen bei der Übernahme der Auszubildenden kommen wird, die jetzt im Sommer fertig werden. Wir gehen davon aus, dass das im Winter noch zunimmt.

Gibt es Anzeichen, dass Betriebe ihre Plätze für Ausbildung und duales Studium reduzieren werden?
Holtz: Ja, leider. Derzeit laufen vermehrt Gespräche in den Betrieben zur Reduzierung von Ausbildungsplätzen. Vor allem im Handwerk und kleineren Betrieben kündigen sich dunkle Wolken an. Sorgen gibt es auch bei den Studierenden: Neueinstellungen von Werksstudierenden und Ferienjobbern sind bereits um 25 Prozent gesunken.

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