Berufsbildungsgesetz

Junge Metaller lassen nicht locker

Zentrale Forderungen der IG Metall fehlen bislang im neuen Berufsbildungsgesetz. Doch junge Metallerinnen und Metaller lassen nicht locker: Gespräche mit Bundestagsabgeordneten und eine Onlinepetition sollen zum Umdenken führen. Das Ziel: eine moderne Berufsausbildung.

Die IG Metall Jugend macht sich mit einer Onlinepetition für ein modernes Berufsbildungsgesetz (BBiG) stark. Die Petition soll Druck auf die Koalition aus Union und SPD machen, zentrale Forderungen der IG Metall noch in die Gesetzesnovelle aufzunehmen. Das parlamentarische Verfahren läuft voraussichtlich bis Oktober. Auf lokaler Ebene suchen Auszubildende und dual Studierende das Gespräch mit Bundestagsabgeordneten, um sie von ihren Anliegen für eine moderne Berufsausbildung zu überzeugen.

Bessere Qualität Auszubildende und dual Studierende wollen eine sichere Perspektive. Die IG Metall Jugend setzt sich für die unbefristete Übernahme ein. Für geplante Nichtübernahmen sollte zumindest eine Ankündigungsfrist im Gesetz vorgeschrieben werden.

Die Anrechnung von Berufsschulzeiten oder die Kos­tenübernahme bei Lehr- und Lernmitteln sind ebenfalls Anforderungen an eine zeitgemäße Berufsausbildung. Erforderlich sind Maßnahmen, um die Qualität zu überprüfen und zu verbessern. Das alles fehlt im Gesetzentwurf, den die Bundesregierung beschlossen hat.

Das neue Gesetz muss zweijährigen Schmalspur-Ausbildungen einen Riegel vorschieben. Genau diese Möglichkeit aber sieht der Entwurf vor, – ohne dass es einen Anspruch gibt, in eine drei- oder dreieinhalbjährige Ausbildung durchzusteigen. Die IG Metall Jugend setzt sich zudem dafür ein, dass die betrieblichen Praxisphasen der dual Studierenden ins BBiG aufgenommen werden.

Der Gesetzentwurf sieht eine Mindestausbildungsvergütung ab 2020 in Höhe von 515 Euro im ersten Ausbildungsjahr vor. Diese kann durch Tarifverträge unterschritten werden. Die gute Nachricht: Liegt die branchenübliche tarifvertraglich vereinbarte Ausbildungsvergütung über der Mindestausbildungsvergütung soll die 80-Prozent-Regel greifen. Das heißt, auch nicht tarifgebundene Unternehmen müssen mindestens 80 Prozent der für ihre Branche geltenden tariflichen Ausbildungsvergütung zahlen.

Die Petition findet Ihr unter: junge-igm.zusammenhandeln.org/bbig-petition


Foto:
Godehard Juraschek

 

Mara Latus, Betriebsrätin, Aleris, Koblenz:
»Wir brauchen eine existenzsichernde Mindestausbildungsvergütung sowie Lehr- und Lernmittelfreiheit. Wenn wir uns vergleichsweise anschauen, welche Vergütung ein Azubi im 1. Ausbildungsjahr bekommt und was die Materialien, wie beispielsweise Bücher für die Berufsschule kosten, liegt es eigentlich auf der Hand. Die Arbeitgeber müssen hier in die Pflicht genommen werden.«

 


Foto: IG Metall

 
Sören Sossong, Betriebsrat, ZF, Saarbrücken:
»Am Gesetzentwurf regt mich auf, dass Auszubildende kein Recht auf Durchstieg in eine dreijährige Ausbildung bekommen sollen. Die Entscheidung darüber sollte allein bei ihnen liegen. Zweijährige Schmalspur-Ausbildungen lehnen wir ab. Denn damit haben junge Menschen schlechte Berufs- und Weiterbildungschancen. Jugend- und Auszubildendenvertretung und Betriebsrat sind nun gefragt, um auf unsere ­Positionen aufmerksam zu machen.«


Foto: privat

 
Manuel Bunge, Betriebsrat, Kostal-Gruppe, Lüdenscheid:
»Wenn das Berufsbildungsgesetz jetzt nicht vernünftig überarbeitet wird, dann haben Auszubildende und dual Studierende wohl für die nächsten Jahrzehnte dadurch Kummer. Es ist ein untragbarer Zustand, dass die ­vielen dual Studierenden im Gesetz nicht berücksichtigt werden sollen. Wir halten den Widerstand aufrecht und rufen ­Bundestagsabgeordnete an, schreiben ihnen und gehen in ihre Büros, um sie für unsere Forderungen zu gewinnen.«

 


Foto: privat

 
Jessica Seitz, JAV-Vorsitzende, Volkswagen, Kassel:
»Wir haben in allen Bezirken schon viel Druck auf Abgeordnete und Parteien aufgebaut. Über soziale Netzwerke rufen wir dazu auf, die Petition der IG Metall Jugend zu ­unterstützen. Unsere Forderungen sind klar: Für sichere Perspektiven braucht es die unbefristete Übernahme. Das neue Berufsbildungsgesetz kann auf dual Studierende nicht verzichten und nach Berufsschultagen sollten keine Auszubildenden mehr in den Betrieb müssen.«

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